Warenkreditversicherung in Zeiten der Corona-Krise
Fragen und Aussagen der Kreditversicherer zum Thema Verlängerung von Zahlungszielen, Meldefristen etc.

ATRADIUS

(…) Um Ihnen und Ihren Abnehmern mehr Flexibilität im Hinblick auf die Vereinbarung von Zahlungsmodalitäten einzuräumen sowie auf eventuelle Zahlungsverzögerungen zu reagieren, ändern wir deshalb mit sofortiger Wirkung Ihren Kreditversicherungsvertrag:

  1. Zum einen verschieben wir Ihre Verpflichtung, uns über eine Überschreitung des maximalen Verlängerungszeitraums zu informieren sowie ein Inkassounternehmen mit dem Einzug überfälliger Forderungen zu beauftragen. Die Meldefrist von 30 Tagen für die Anzeige der Überschreitung des maximalen Verlängerungszeitraums sowie die Frist für die Übergabe zum Inkasso wird nunmehr auf 60 Tage verlängert.
  2. Ferner können die Versicherungsnehmer auch bei Ablauf des maximalen Verlängerungszeitraums ohne die vorherige Zustimmung durch Atradius verlängerte Zahlungsbedingungen vereinbaren, solange die angepassten Zahlungsbedingungen innerhalb der zuvor genannten 60 Tagesfrist bleiben.

 

Mit dem Schaubild wollen wir Ihnen noch einmal verdeutlichen, was die getroffenen Maßnahmen auf Ihre Vereinbarungen mit Ihren Abnehmern bedeuten.

Das 1. Schaubild gibt Ihnen einen Überblick über die zwischen uns ursprünglich geschlossenen Vereinbarungen.

Atradus Schaubild 1
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Das 2. Schaubild zeigt den Zeitstrahl mit den veränderten Terminen im Hinblick auf die angepassten Meldefristen mit Stand vom 20.03.2020.

Atradus Schaubild 2
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Bitte beachten Sie, dass trotz dieser beiden Änderungen die ursprüngliche Fälligkeit einer Forderung weiterhin maßgeblich für die Anwendung aller Versicherungsvertrags-bestimmungen ist. Dies gilt insbesondere für den maximalen Verlängerungszeitraum, die automatische Beendigung des Versicherungsschutzes und den Schadentag. Alle anderen Bedingungen und Bestimmungen Ihres Versicherungsvertrages bleiben unverändert.

Beide Änderungen gelten mit sofortiger Wirkung und bleiben bis auf weiteres für Forder-ungen in Kraft, bei denen der maximale Verlängerungszeitraum vor dem 1. September 2020 abläuft.

Anmerkung GfK: “Zu unserer Frage, ob grundsätzlich Versicherungsschutz (bzw. ein Entschädigungsanspruch) für Forderungsausfälle als Folge der Corona-Pandemie besteht, oder ob es diesbezüglich Ausschlüsse (in den Versicherungsverträgen von Atradius) gibt, möchte Atradius keine generelle Stellungnahme abgeben. Die Aussagen von Atradius gehen vielmehr dahin, dass man im Schadenfall den Einzelfall prüfen wird.”

COFACE

Im Anschluss an die von mehreren europäischen Regierungen ergriffenen Eindämmungsmaßnahmen im Zuge der Corona-Virus Epidemie hat Coface beschlossen, Sie bei der Erleichterung der Verwaltung Ihrer Policen in dieser außergewöhnlichen Zeit zu unterstützen.

Wir informieren Sie daher, dass die Frist für die Benachrichtigung über überfällige Konten (Notification of Overdue Account, NOA), wie sie in Ihren Vertragsbedingungen definiert ist, um weitere 60 Tage verlängert wird. Wir möchten Sie daran erinnern, dass ungeachtet der oben genannten Verlängerung die allgemeinen Grundsätze unserer Politik hinsichtlich eines sorgfältigen Risikomanagements gelten. Insbesondere bleiben die Verpflichtungen in Bezug auf Risikovermeidung und Schadensbegrenzung weiterhin gültig.

Darüber hinaus führt Coface eine größere Flexibilität innerhalb Ihrer vertraglichen Obliegenheit im Bezug die Fälligkeiten von Prämien- und Gebührenabrechnungen ein.

Diese Maßnahmen sind mit sofortiger Wirkung anwendbar.

Wir hoffen aufrichtig, dass dieses Vorgehen Sie im Management Ihrer Geschäfte unterstützt, während Sie in dieser beispiellosen Situation weiterhin angemessene Risikoentscheidungen treffen.

Anmerkung GfK: “Mit dem Schaubild wollen wir Ihnen exemplarisch noch einmal verdeutlichen, was die getroffenen Maßnahmen auf Ihre Vereinbarungen mit Ihren Abnehmern bedeuten.”

Coface Schaubild
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Für Versicherungsnehmer mit Sitz in welchen Ländern gilt die um 60 Tage verlängerte Meldefrist aktuell?

Coface List of Countrys

Einstellung TopLiner

Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Umständen aufgrund der Covid-19-Krise haben wir beschlossen, die Verfügbarkeit unserer TopLiner-Deckung vorübergehend auszusetzen. Diese Aussetzung wird ab Montag, dem 6. April, in Kraft treten.

Als Folge davon werden keine weiteren TopLiner ( Module/Optionen ) mehr herausgegeben.

Außerdem werden keine weiteren Anfragen für TopLiner-Deckungen/TopLiner Limite von uns geprüft und keine TopLiner-Deckungen/TopLiner-Limite mehr angeboten.

Alle gültigen TopLiner-Deckungen/TopLiner-Limite bleiben bis zu ihrem jeweiligen Ablaufdatum aktiv.

Ist der Versicherungsschutz bei Vorliegen von Maßnahmen oder Entscheidungen von Hoher Hand, die vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie erfolgen, ausgeschlossen?

Sofern staatliche Maßnahmen oder Entscheidungen von Hoher Hand im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie vorliegen, sind deren Auswirkungen im konkreten Einzelfall sowohl im Hinblick auf die Maßnahme, als auch deren Folgen zu prüfen. Aufgrund der Vielzahl der derzeit bestehenden und ggfs. künftig noch kommenden staatlichen Maßnahmen lässt sich eine pauschale Aussage an dieser Stelle nicht treffen.

Ist der Versicherungsschutz vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie unter Berufung auf Höhere Gewalt ausgeschlossen?

Die Corona-Pandemie stellt keinen generellen Ausschlussgrund wegen oder im Zusammenhang „Höhere Gewalt“ dar. Unsere Versicherungsverträge kennen den Begriff „Höhere Gewalt“ als Risikoausschluss als solchen nicht.
Der Begriff der Höheren Gewalt ist in jeder Rechtsordnung unterschiedlich definiert, d.h. unterliegt unterschiedlichen Voraussetzungen und hat unterschiedliche Rechtsfolgen. Es ist daher Sache des Versicherungsnehmers im Einzelfall zu prüfen, ob und welche Auswirkungen die Corona-Pandemie in diesem Zusammenhang auf seine Lieferbeziehung und somit mittelbar ggfs. auf den Versicherungsschutz hat.

Ist der Versicherungsschutz ausgeschlossen, weil die Corona-Pandemie als eine Naturkatastrophe im Sinne des Versicherungsvertrags anzusehen ist?

Die Corona-Pandemie fällt nicht unter den Begriff der Naturkatastrophen, die in unseren Versicherungsverträgen – soweit enthalten – als natürliche Umweltereignisse, wie z. B. Vulkanausbruch, Erdbeben, Flutwelle, Taifun oder Überschwemmung definiert sind.

Im Anschluss an die von mehreren europäischen Regierungen ergriffenen Eindämmungsmaßnahmen im Zuge der Coronavirus-Epidemie hat Coface beschlossen, Sie mit der Erleichterung der Verwaltung Ihrer Polizzen in dieser außergewöhnlichen Zeit zu unterstützen. Diese Regelung gilt mit sofortiger Wirkung für alle Coface-Versicherten in Österreich.

Wir informieren Sie daher, dass die Frist für die Benachrichtigung über überfällige Forderungen (Notification of Overdue Account, NOA), wie sie in Ihren Vertragsbedingungen definiert ist, um weitere 60 Tage verlängert wird. Wir möchten Sie daran erinnern, dass ungeachtet der oben genannten Verlängerung die allgemeinen Geschäftsbedingungen hinsichtlich eines sorgfältigen Risikomanagements gelten. Insbesondere bleiben die Verpflichtungen in Bezug auf Risikovermeidung und Schadensbegrenzung weiterhin gültig.

Besteht grundsätzlich Versicherungsschutz (bzw. ein Entschädigungsanspruch) für Forderungsausfälle aufgrund von Insolvenz bzw. Protracted Default, jeweils als direkte Folge der Corona-Pandemie, oder gibt es diesbezüglich Ausschlüsse (z.B. in den AVB)?

Ja, der Versicherungsschutz besteht. Wir übernehmen im Zuge unserer Polizzen gegen Zahlung der vereinbarten Prämie seitens des Versicherungsnehmers das Risiko der Nichtzahlung von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen im in der Polizze angeführten Umfang (diese sind Insolvenz und protracted default). In unseren derzeit gültigen AVBs gibt es keinen direkten Ausschluss in Bezug auf Ereignisse wie das nunmehrige Corona Virus. (Höhere Gewalt wäre in den AVB ausgeschlossen, kommt bei Corona Virus jedoch nicht zum Tragen.)

Allerdings: Im Falle von Schäden müssen wir die Situation unter Berücksichtigung aller damit verbundenen Tatsachen jeweils im Einzelfall beurteilen. Die Forderung darf (unter anderem und wie den Versicherungsnehmern und Brokern bekannt ist) nicht bestritten sein. Wenn der Endabnehmer=Kunde nunmehr gegen die Kaufpreisforderung allenfalls einen Einwand aufgrund eines Ereignisses höherer Gewalt, die gegebenenfalls im Kaufvertrag mit dem Kunden sehr wohl enthalten ist, vorbringt, so ist jedenfalls durch genaue Prüfung der Polizze zu klären, ob nicht unter Umständen diese Lieferforderung als bestrittene Forderung eingestuft werden sollte und in weiterer Folge zur Aussetzung des Versicherungsschutzes führen würde.

Die Versicherungsnehmer erhalten vermehrt Anfragen ihrer Abnehmer nach Zahlungszielverlängerungen (Tendenz steigend). Dürfen die Versicherungsnehmer vor dem besonderen Hintergrund Zahlungszielverlängerungen genehmigen, welche über die im Vertrag bzw. den AVB genannten Möglichkeiten der Zahlungszielverlängerungen hinaus gehen, ohne im Einzelfall jeweils die Genehmigung Ihres Hauses hierfür einholen zu müssen? Falls ja, bis zu welchem Zeitraum wären Zahlungszielverlängerungen möglich?

Generelle Zahlungszielverlängerungen sind aktuell nicht vorgesehen; wir raten auch generell von diesen ab. Unsere langjährigen Erfahrungen zeigen, dass aus Risikosicht ein früheres Einschreiten die Chancen deutlich erhöht, zumindest Teilrückflüsse zu erzielen, womit der Versicherungsnehmer (Stichwort Selbstbehalt) und der Versicherer (versicherte Summe) zumeist generell und gegenüber 3. Parteien ein besseres „Standing“ vorweisen.

Sollten Zahlungszielverlängerungen sinnvoll erscheinen, so muss dies auf Einzelbasis im konkreten Anlassfall thematisiert werden. In solchen Fällen sollen die Versicherungsnehmer / Makler auf uns rechtzeitig mittels EDD zukommen, damit wir als Coface uns in dem jeweils individuellen Fall ansehen können, wie wir das handhaben hierbei. Kommunikation über EDD im CofaNet (wie gehabt). Achtung: Im Falle der EDD beträgt die Meldefrist für überfällige Forderungen (NOA) bei EDD + 30 Tage, hier gibt es keine Veränderung!

Ausgehend von den ursprünglich vereinbarten Fälligkeiten wird es zwangsläufig zu einem deutlichen Anstieg an Überfälligkeitsmeldungen, Inkassoaufträgen und Schadenmeldungen kommen. Damit verbunden wäre natürlich auch ein deutlicher Anstieg an Entschädigungsleistungen. Gibt es Überlegungen bzw. eine grundsätzliche Bereitschaft Ihres Hauses, die Fristen für die Überfälligkeitsmeldung, den Inkassoauftrag und die Schadenmeldung vorübergehend generell (z.B. um einige Wochen) zu verlängern, um somit einen drastischen Anstieg solcher Meldungen zu verhindern?

Die Meldefrist für Überfällige Forderungen (NOA) wurde nunmehr von 30 auf 90 Tage erhöht (siehe dazu bitte auch die separate Aussendung im Anhang). Diese Regelung gilt auch für mitversicherte Gesellschaften bzw. Gesellschaften mit lokale Polizzen im Rahmen eines Programms, die IN DEN DEFINIERTEN LÄNDERN (siehe bitte Liste im Anhang) ihren Sitz haben.

Gerne informieren wir Sie, dass

  • Die Meldefrist für überfällige Forderungen, so wie sie in Ihrem Kreditversicherungsvertrag

definiert ist, um zusätzlich 60 Tage verlängert wird

  • Wenn Ihr Vertrag nebst der Meldefrist für überfällige Forderungen zusätzlich eine separate

Interventionsfrist beinhaltet, werden beide Fristen um 60 Tage verlängert 

  • Bei einer von Coface gewährten Zahlungszielverlängerung, bleibt die Meldefrist für überfällige

Forderungen hingegen unverändert bei 30 Tagen ab dem neu vereinbarten Zahlungsziel.

Ungeachtet dieser Erweiterung bleiben die allgemeinen Vertragsgrundsätze eines sorgfältigen Risikomanagements weiterhin bestehen, insbesondere die Verpflichtungen in Bezug auf Risikoprävention und Schadensbegrenzung. Diese zusätzliche Flexibilität der verlängerten Meldefrist ist mit sofortiger Wirkung und bis auf Widerruf gültig. Sie gilt für Versicherungsnehmer in den folgenden Ländern, in welchen aufgrund der Eindämmungsmassnahmen Verzögerung zu erwarten sind:

  • Österreich, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Kanada, Tschechien, Ecuador, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Portugal, Polen, Rumänien, Slowakei, Spanien, Schweiz und USA.

Sollten weitere Länder in diese Liste aufgenommen werden, werden wir Sie entsprechend informieren.

CREDENDO

1.  Versicherungsschutz für Forderungsausfälle als Folge der Corona-Krise

First of all, we point out that our policy does not explicitly exclude losses caused by an epidemic or pandemic outbreak or by events relating thereto or resulting therefrom, as may be the case with other insurance policies (credit insurance or other).

Also, our definition of political and assimilated events is an open definition. Any event which qualifies as a case of force majeure enters into the definition of a political and assimilated provided the event occurs abroad. The list of events mentioned in our General Terms as political and assimilated events is not limitative. In other words, although an epidemic or pandemic outbreak is not explicitly mentioned in this list, it can still qualify as a political and assimilated event.

We however highlight that if there are several events causing the loss (some constituting force majeure, others directly linked to the debtor itself) or if there is uncertainty about what caused the loss, then the loss is not deemed to be caused by political and assimilated events. In that case the loss can be covered as a default of the debtor, provided there is insolvency established in law or protracted default (i.e. the debtor does not perform its obligations without legitimate motif).

In the majority of cases, we believe that the debtor will face consequences of the overall situation. If the debtor refuses to pay without any legitimate motif or goes insolvent, this will be considered as a default of the debtor, even though indirectly caused by the coronavirus situation and measures. The loss will not be considered as caused by a political and assimilated event.

The situations where the loss is caused purely by a political and assimilated event and so where there is no issue with the debtor itself will be quite rare in our view. This would for instance be the case when the debtor is not bankrupt and is willing to pay, but his government blocks payments (for example to avoid currency drain from the local economy). This loss would not be covered if your transaction is only covered for default of the debtor, but not for political and assimilated events.

So if the policy provides cover for the transaction for both default of debtor and political and assimilated events, then unpaid receivables are eligible for indemnification subject to the provisions of the policy:

  • if the debtor is insolvent;
  • if the debtor is unable or does not want to pay without a legitimate motif;
  • if the debtor did everything he could, but a political event prevents him to pay (e.g. his government blocks payments): the cause is a pure political and assimilated event.

However, if the policy provides cover for the transactions only for default of debtor, then unpaid receivables are eligible for indemnification subject to the provisions of the policy:

  • if the debtor is insolvent;
  • if the debtor is unable or does not want to pay without a legitimate motif;
  • but not if the debtor did everything he could, but a political event prevents him to pay (e.g. his government blocks payments): the cause is purely political and so this is not covered.

 

2.  Genehmigung von Zahlungszielverlängerungen

Wir bestätigen hiermit, dass die Bedingungen um Zahlungsaufschübe (Artikel 9.1.3 Allgemeine Versicherungsbedingungen) zu gewähren, flexibler gestaltet sind. Die folgenden Bedingungen finden keine Anwendung mehr:

  • die Bedingung, dass der Schuldner innerhalb von 60 Tagen nach dem Fälligkeitsdatum den Zahlungsaufschub beantragen muss; und
  • die Bedingung, dass das neue Gesamtkreditziel nicht über die doppelte Laufzeit des ursprünglich gewährten Kreditziels hinausgehen darf.

Um alle Zweifel auszuräumen : Die Bedingung, dass das neue Gesamtkreditziel in keinem Fall 360 Tage übersteigen darf, kommt nach wie vor zur Anwendung.

 

3. Erweiterung der Meldefristen

Wir bestätigen hiermit, dass der normale Zeitrahmen um Ihre Versicherungsmeldungen gemäß Artikel 6.2.1 Allgemeine Versicherungsbedingungen durchzugeben, um einen weiteren Monat verlängert wird. Diese Regelung findet solange Anwendung, wie die Situation um das COVID-19 Virus es Ihnen nicht erlaubt, Ihre normale Geschäftstätigkeit wieder aufzunehmen.

Wir bestätigen hiermit, dass der normale Zeitrahmen um Ihre Drohschadensmeldungen gemäß Artikel 9.1.4 Allgemeine Versicherungsbedingungen durchzugeben, um einen weiteren Monat verlängert wird. Diese Regelung findet solange Anwendung, wie die Situation um das COVID-19 Virus es Ihnen nicht erlaubt, Ihre normale Geschäftstätigkeit wieder aufzunehmen.

EULER HERMES

Grundsätzlich gilt auch in Krisenzeiten, dass der Versicherungsnehmer seine vertraglichen Verpflichtungen bzw. Obliegenheiten erfüllen muss, um seinen Versicherungsschutz nicht zu gefährden. Nichtsdestotrotz möchten wir unsere Kunden auch in diesen Zeit bestmöglich unterstützen. Wir haben uns daher für nachfolgende, zusätzliche Erleichterungen für das operative Handling der Policen entschieden:

  • Möglichkeit zur Verlängerung von Zahlungszielen ohne vorherige Zustimmung seitens Euler Hermes um 60 Tage* sowie
  • Ausweitung der Frist zur Einreichung einer Forderung zum Inkasso um 30 Tage 

Die dargestellten Erleichterungen betreffen kumulierte Forderungen bis 500.000 Euro und haben vorerst eine Gültigkeit für Forderungen aus Lieferungen bis Ende Mai 2020. Über etwaige Verlängerungen der Maßnahmen halten wir Sie wie gewohnt informiert.​ (…)

*Die Verlängerung sollte für den Versicherungsnehmer, seinen Kunden als auch uns gegenüber im Schadenfall nachvollziehbar sein. Eine entsprechende schriftliche Dokumentation im Innenverhältnis mit dem Debitor ist zwingend notwendig. Das im Versicherungsschein dokumentierte Zahlungsziel kann durch Verlängerung überschritten werden, sofern nicht bereits gemäß der AVB eine Verlängerungsmöglichkeit um 60 Tage gegeben ist (z.B. WKV-M/ CA).

Anmerkung GfK: “Im Zusammenhang mit der von Euler Hermes zugesagten Möglichkeit von Zahlungszielverlängerungen (von bis zu 60 Tagen) stellt sich die Frage, ob sich im Falle einer solchen Verlängerung des Zahlungsziels auch die Ausschlussfrist (also die Frist für die automatische Beendigung des Versicherungsschutzes für zukünftige Lieferungen/Leistungen) sowie die Überfälligkeitsfrist (die Frist für die Überfälligkeitsmeldung) entsprechend verschieben. Laut (bislang nur mündlicher) Aussage von Euler Hermes ist dies der Fall, so dass die vorgenannten Fristen erst ab der neuen Fälligkeit zu laufen beginnen (und nicht wie sonst üblich ab ursprünglich vereinbarter Fälligkeit). Hierzu wird es laut Euler Hermes in den kommenden Tagen auch eine ergänzende schriftliche Mitteilung geben.”

Wird Versicherungsschutz versagt, aus dem Grund, dass die Zahlungsunfähigkeit (bzw. Nichtzahlungstatbestand) eines Kunden eine Folge des Corona Virus darstellt?

Der Corona-Ausbruch stellt nach Ansicht von Euler Hermes keinen der in den AVB geregelten Ausschlussgründe wie den Eintritt einer Naturkatastrophe dar. Auch liegt keine “…Beeinträchtigung des Waren- und Zahlungsverkehrs durch Behörden oder staatliche Institutionen…” vor, da eine solche Beeinträchtigung unmittelbar aus einem staatlichen Handeln und nicht nur mittelbar aus einer Quarantänemaßnahme resultieren müsste. Sofern die weiteren vertraglichen Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind, besteht im Rahmen des Vertrages Versicherungsschutz.

Was passiert wenn die Firma eines Versicherungsnehmer, nachfolgend VN, unter Quarantäne gestellt wird und er seinen Zahlungsverpflichtungen (Prämien und Gebühren) nicht nachkommen kann?

Grundsätzlich gilt auch in Krisenzeiten, dass der VN seine vertraglichen Verpflichtungen bzw. Obliegenheiten erfüllen muss, um seinen Versicherungsschutz nicht zu gefährden. Die Rechtsfolgen der Nichtzahlung der Prämie sind dabei in §§ 37 – 39 VVG geregelt. Über einige Erleichertungen für kleine und mittelständische Unternehmen haben wir Sie im Vorherigen informiert. Natürlich beobachten wir parallel intensiv die derzeitige Situation aller unserer VN und die Schwierigkeiten mit denen diese zu kämpfen haben und sind derzeit in internen Abstimmungen wie wir im Einzelfall in diesen Situationen vorgehen werden.

Wie verhält es, wenn ein Kunde Ware nicht abnimmt, weil er seinen Betrieb wg. Covid-19 schließen muss. Besteht in diesem Fall Deckungsschutz im Rahmen der F-Risiko-Deckung für den VN?

Voraussetzung für eine Entschädigungsleistung im Rahmen der F-Risikodeckung ist regelmäßig die Insolvenz des Kunden (bzw. je nach Bedingungswerk auch das Vorliegen eines anderen Versicherungsfalls) oder die Aufhebung der auf den Kunden gezeichneten Versicherungssumme. Die Anordnung einer Betriebsschließung reicht hierfür regelmäßig nicht.

Werden Entschädigungen an den VN geleistet, wenn aufgrund von Covid-19 die Unternehmen keine Waren mehr erhalten und dadurch zahlungsunfähig werden?

Grundsätzlich besteht unsere Leistungspflicht nur für versicherte Forderungen, die aus vom VN erbrachten Warenlieferungen, Werk- oder Dienstleistungen resultieren und in Bezug auf die ein Versicherungsfall gemäß der Bestimmungen des Versicherungsvertrages eingetreten ist sowie die weiteren Voraussetzungen für den Versicherungsschutz erfüllt sind.

Gibt es in den Vertragsbedingungen bzw. AVB von Euler Hermes Passagen, welche Entschädigungen aufgrund Corona ausschließen, z. B. Unterbrechung der Warenströme durch politische Maßnahmen, Einfuhrverbote, o. Ä.?

Der Corona-Ausbruch stellt nach Ansicht von Euler Hermes keinen der in den AVB geregelten Ausschlussgründe wie den Eintritt einer Naturkatastrophe dar. Auch liegt keine “…Beeinträchtigung des Waren- und Zahlungsverkehrs durch Behörden oder staatliche Institutionen…” vor, da eine solche Beeinträchtigung unmittelbar aus einem staatlichen Handeln und nicht  nur mittelbar aus einer Quarantänemaßnahme resultieren müsste. Sofern die weiteren vertraglichen Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind, besteht im Rahmen des Vertrages Versicherungsschutz.

Wie verhält es sich, wenn ein Debitor aufgrund eines Verbotes der Fortführung seines Geschäftes keinen Geldeingang hat und demzufolge nicht mehr zahlen kann - Wie lautet der Tatbestand, Protracted Default oder politisches Risiko?

Im aktuellen Fall (Italien) greifen die Standard-Regelungen und das Politische Risiko findet keine Anwendung, da es für Länder der Grades AA-BB (also auch Italien) ausgeschlossen ist. Weiterhin handelt es sich im beschriebenen Fall nicht um einen grenzüberschreitenden Warenverkehr, sodass die Einfuhr von Ware (…Waren in das Land, in dem Ihr Kunde seinen Sitz hat, eingeführt…) nicht erfolgt. Da im beschriebenen Fall kein Grenzübertritt erfolgt (siehe oben) kann das politische Risiko sich nicht materialisieren. Daraus folgt auch, dass die Insolvenz ungeachtet der Betrachtung des politischen Risikos einen Schaden im Rahmen des Versicherungsvertrages darstellt.

Hat der Versicherungsnehmer im Fall von Limitaufhebungen für ganze Länder das Recht, nicht mehr durch Euler Hermes gedeckte Geschäfte anderweitig einzudecken?

Analog zu unseren Top-Up-Lösungen steht es dem Versicherungsnehmer frei, Forderungen gegenüber Kunden in einem Land, für das wir keinen Versicherungsschutz (mehr) zur Verfügung stellen, anderweitig abzusichern. Zur Zeit sind jedoch keine diesbezüglichen Maßnahmen auf Länder- oder Branchenebene geplant.

Anmerkung GfK: “Im Zusammenhang mit der von Euler Hermes zugesagten Möglichkeit von Zahlungszielverlängerungen (von bis zu 60 Tagen) stellt sich die Frage, ob sich im Falle einer solchen Verlängerung des Zahlungsziels auch die Ausschlussfrist (also die Frist für die automatische Beendigung des Versicherungsschutzes für zukünftige Lieferungen/Leistungen) sowie die Überfälligkeitsfrist (die Frist für die Überfälligkeitsmeldung) entsprechend verschieben. Laut (bislang nur mündlicher) Aussage von Euler Hermes ist dies der Fall, so dass die vorgenannten Fristen erst ab der neuen Fälligkeit zu laufen beginnen (und nicht wie sonst üblich ab ursprünglich vereinbarter Fälligkeit). Hierzu wird es laut Euler Hermes in den kommenden Tagen auch eine ergänzende schriftliche Mitteilung geben.”

Um Sie bestmöglich für die bevorstehenden Monate vorzubereiten, stellen wir Ihnen ab sofort folgende Erleichterungen und Instrumente im Umgang mit Ihrer Versicherung zur Verfügung:

  • Eine Verlängerung des Zahlungsziels kann bis zu 60 Tage ohne vorherige Abstimmung mit uns gewährt werden. Dies gilt ab sofort bis Ende Mai für kumulierte Forderungen bis 500’000 EUR oder entsprechender Betrag in CHF bzw. USD
  • Versicherungsnehmern im Bereich kleiner und mittlerer Unternehmen (bis 25 Mio. CHF Umsatz) gewähren wir einen Zahlungsaufschub für Prämien- und Gebührenforderungen bis Ende April. Auch wenn Sie eine automatisch ausgelöste Mahnung von uns erhalten, erwarten wir keine Reaktion oder Zahlung von Ihnen. Auf Anfrage beschleunigen wir die Auszahlung von bereits geprüften Schadensfällen.
  • Wir sichern Ihnen eine höchstmögliche Transparenz zu: Ab sofort können Sie kostenfrei bis Ende des Jahres alle Grades für Ihre versicherten Kunden über die Smart View Anwendung Ihres Eolis-Kundenportals einsehen. Die Freischaltung dieser Anwendung erfolgt sukzessiv.

Wir hoffen, dass diese Massnahmen Sie dabei unterstützen, flexibel auf eventuelle Zahlungsverzögerungen Ihrer Kunden zu reagieren. Durch die Gradeanzeige können Sie die Ausfallwahrscheinlichkeit Ihrer versicherten Forderungen und unsere Kreditentscheidungen zukünftig besser nachvollziehen

R+V

Von R+V gibt es bislang noch keine offizielle Stellungnahme zu unseren Fragen. Diese Thematik befindet sich derzeit noch in Klärung. Bezüglich R+V besteht unserer Einschätzung nach allerdings für die Versicherungsnehmer insofern wenig Grund zur Sorge, da R+V erfahrungsgemäß ein Versicherer ist, der in Krisen-Zeiten sehr „besonnen“ agiert. Sobald uns eine Stellungnahme von R+V zugeht, werden wir diese umgehend hier auf unserer Homepage veröffentlichen.

ZURICH

In Anbetracht der derzeitigen Umstände sind wir bemüht, unsere Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse so schnell und so weit wie möglich zu vereinfachen und zu beschleunigen. Das beinhaltet auch eine möglichst „unbürokratische“ Handhabung von Geschäftsvorfällen, welche durch die Folgen der Ausbreitung des Corona Virus verstärkt werden bzw. erst entstehen. Einen grundsätzlichen Verzicht auf Ansprüche dürfen wir – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Krise – aus aufsichtsrechtlichen Gründen nicht aussprechen. Wir müssen uns weiterhin die Prüfung im Einzelfall vorbehalten. Diese wird, wie bereits erwähnt – die aktuelle Situation angemessen berücksichtigen.

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